Krankheit macht vor der Probezeit nicht halt
Wer neu in einem Unternehmen beginnt, möchte normalerweise einen guten Eindruck machen. Trotzdem kann bereits in den ersten Wochen eine Erkältung, ein Magen-Darm-Infekt, eine Verletzung oder eine andere Erkrankung auftreten.
Eine tatsächliche Arbeitsunfähigkeit ist auch in der Probezeit eine Arbeitsunfähigkeit. Niemand sollte aus Angst um den Arbeitsplatz mit Fieber, starken Beschwerden oder einem Sicherheitsrisiko zur Arbeit gehen.
Gerade bei körperlicher Arbeit, Maschinen, Fahrzeugen oder einem Gabelstapler kann es gefährlich sein, sich trotz deutlicher gesundheitlicher Einschränkungen zur Arbeit zu zwingen.
Warum Fehlzeiten in der Probezeit trotzdem besonders sichtbar sind
Die Probezeit dient praktisch dazu, die Zusammenarbeit kennenzulernen. Arbeitgeber beobachten in dieser Phase nicht nur die fachliche Leistung, sondern auch, wie zuverlässig Absprachen funktionieren.
- Kommt der Mitarbeiter pünktlich?
- Hält er Absprachen ein?
- Wie arbeitet er im Team?
- Wie schnell lernt er neue Aufgaben?
- Wie kommuniziert er, wenn Probleme auftreten?
- Kann der Betrieb grundsätzlich mit seiner Anwesenheit planen?
Ein einzelner Krankheitstag sagt darüber kaum etwas aus. Wenn jedoch bereits in wenigen Wochen mehrere kurzfristige Ausfälle entstehen, kann ein Betrieb Schwierigkeiten haben, sich überhaupt ein vollständiges Bild vom neuen Mitarbeiter zu machen.
Die Probezeit hat besondere Kündigungsregeln
Bei einer vereinbarten Probezeit kann nach § 622 Absatz 3 BGB für längstens sechs Monate grundsätzlich eine Kündigungsfrist von zwei Wochen gelten. Tarifverträge können abweichende Regelungen enthalten.
Außerdem greift der allgemeine Kündigungsschutz nach § 1 Kündigungsschutzgesetz grundsätzlich erst, wenn das Arbeitsverhältnis länger als sechs Monate bestanden hat; daneben müssen weitere Voraussetzungen des Kündigungsschutzgesetzes erfüllt sein.
Das bedeutet nicht, dass jede Krankheit automatisch zu einer Kündigung führt. Es zeigt aber, warum die ersten Monate eines Arbeitsverhältnisses für beide Seiten eine besonders sensible Phase sind.
Häufig krank heißt nicht automatisch unzuverlässig
Dieser Unterschied ist wichtig. Ein Mensch kann innerhalb kurzer Zeit mehrfach tatsächlich krank werden. Das allein beweist keine schlechte Arbeitseinstellung.
Für die tägliche Einsatzplanung bleibt die Abwesenheit trotzdem relevant. Der Arbeitgeber muss den Arbeitsplatz besetzen, Kollegen müssen Aufgaben übernehmen oder ein Ersatz muss organisiert werden.
Deshalb können gesundheitlich berechtigte Fehlzeiten und betriebliche Planungsprobleme gleichzeitig existieren. Beides sollte voneinander getrennt betrachtet werden.
Kommunikation kann einen großen Unterschied machen
Wenn eine Arbeitsunfähigkeit feststeht, sollte die Information so früh wie möglich erfolgen. Nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz muss der Arbeitgeber unverzüglich über die Arbeitsunfähigkeit und deren voraussichtliche Dauer informiert werden.
Gerade während der Probezeit fällt positiv auf, wenn ein Mitarbeiter trotz Erkrankung professionell kommuniziert.
Eine Krankmeldung fünf Minuten nach Schichtbeginn, obwohl bereits Stunden vorher feststand, dass man nicht kommen wird, wirkt organisatorisch anders als eine frühzeitige Mitteilung.
Auch in den ersten vier Wochen gelten Besonderheiten bei der Entgeltfortzahlung
Nach § 3 Absatz 3 Entgeltfortzahlungsgesetz entsteht der gesetzliche Anspruch auf Entgeltfortzahlung durch den Arbeitgeber grundsätzlich nach vierwöchiger ununterbrochener Dauer des Arbeitsverhältnisses.
Wer bereits ganz am Anfang einer Beschäftigung erkrankt, sollte deshalb nicht automatisch davon ausgehen, dass die finanzielle Abwicklung genauso funktioniert wie nach längerer Beschäftigungsdauer. Je nach Versicherungsstatus und Situation können andere Leistungen relevant sein.
Was Arbeitgeber in der Probezeit besonders wahrnehmen
Viele neue Mitarbeiter unterschätzen, wie stark nicht nur die reine Leistung, sondern auch das Verhalten im Alltag wahrgenommen wird.
Wer zuverlässig erscheint, mitdenkt, Fragen stellt und offen kommuniziert, baut schnell Vertrauen auf. Dieses Vertrauen kann gerade bei Zeitarbeit wichtig sein, weil Kundenunternehmen häufig innerhalb weniger Wochen entscheiden, ob sie einen Mitarbeiter länger einsetzen möchten.
Umgekehrt können häufige kurzfristige Ausfälle dazu führen, dass ein Kunde kaum Gelegenheit hat, die tatsächliche Leistung eines Mitarbeiters kennenzulernen.
Ein schlechter Tag ist nicht automatisch ein Krankheitstag
In der Probezeit ist die Versuchung manchmal groß, bei Müdigkeit, wenig Motivation oder einem unangenehmen Arbeitstag lieber zuhause zu bleiben. Genau hier lohnt sich eine ehrliche Selbstprüfung.
Bin ich wirklich arbeitsunfähig oder habe ich heute einfach einen schlechten Tag?
Wie diese Einschätzung aussehen kann, erklären wir ausführlich im Ratgeber „Krankmelden oder arbeiten gehen? Wann bin ich wirklich arbeitsunfähig?“.
Warum unnötige Fehlzeiten gerade am Anfang Chancen kosten können
In vielen Jobs entstehen gute Möglichkeiten erst, nachdem ein Mitarbeiter über einige Wochen gezeigt hat, dass er zuverlässig arbeitet. Das kann einen längeren Einsatz, bessere Aufgaben, mehr Verantwortung oder eine Übernahme betreffen.
Wer dagegen ohne echten gesundheitlichen Grund häufig fehlt, nimmt sich selbst die Möglichkeit, dieses Vertrauen aufzubauen.
Der Betrieb kann nur bewerten, was er tatsächlich erlebt. Wer kaum anwesend ist, hat weniger Gelegenheit zu zeigen, was er kann.
Bei Zeitarbeit sind gleich mehrere Seiten betroffen
Während eines Zeitarbeitseinsatzes sind neben dem Mitarbeiter sowohl der Personaldienstleister als auch das Kundenunternehmen beteiligt. Eine kurzfristige Krankmeldung erzeugt deshalb häufig mehrere organisatorische Schritte gleichzeitig.
Der Kunde muss seine Schicht umstellen. Die Disposition muss informiert werden und möglicherweise Ersatz suchen. Kollegen müssen Aufgaben übernehmen.
Warum häufige Fehlzeiten auch das Team belasten können, erklären wir im Beitrag „Warum häufige Fehlzeiten die Kollegen belasten“.
Was du in der Probezeit selbst beeinflussen kannst
- Bei echter Erkrankung die Gesundheit ernst nehmen.
- Arbeitsunfähigkeit frühzeitig und korrekt melden.
- Nicht aus Müdigkeit oder fehlender Motivation automatisch einen Krankheitstag machen.
- Wiederkehrende Beschwerden medizinisch abklären lassen.
- Im gesunden Zustand durch Pünktlichkeit und Verlässlichkeit Vertrauen aufbauen.
- Bei Problemen früh mit dem Ansprechpartner sprechen, statt einfach fernzubleiben.
Fazit: In der Probezeit zählen Gesundheit und Verlässlichkeit gleichzeitig
Eine echte Krankheit kann jederzeit auftreten und sollte nicht verschleppt werden. Auch während der Probezeit gilt: Wer arbeitsunfähig ist, sollte sich erholen.
Gleichzeitig ist die Probezeit eine kurze Phase, in der Arbeitgeber und Kundenunternehmen einen Eindruck davon gewinnen, wie die Zusammenarbeit funktioniert. Häufige vermeidbare Fehlzeiten, verspätete Krankmeldungen oder unklare Kommunikation können diesen Eindruck negativ beeinflussen.
Wer gesund ist, zuverlässig arbeitet und bei echter Krankheit professionell kommuniziert, schafft die beste Grundlage für eine langfristige Zusammenarbeit.









