Der 90-Tage-Plan im Detail
Die drei Phasen bauen aufeinander auf: Zuerst entsteht ein belastbares Lagebild, danach werden akute Probleme entschärft und anschließend strukturelle Veränderungen verankert.
Tag 1 bis 30: Daten sortieren statt Schuldige suchen
In den ersten 30 Tagen sollte das Unternehmen ein belastbares Lagebild erstellen. Entscheidend ist, nicht nur die Gesamtquote anzusehen, sondern Unterschiede nach Bereich, Tätigkeit, Schicht und Zeitverlauf sichtbar zu machen.
- Krankenquote, AU-Tage, Fallhäufigkeit und Falldauer vergleichen,
- Kurzzeit- und Langzeitausfälle getrennt betrachten,
- Überstunden, Fluktuation und Unfallmeldungen ergänzen,
- auffällige Schichten oder Bereiche identifizieren,
- bestehende Gefährdungsbeurteilungen und BEM-Prozesse prüfen.
Zusätzlich sollten Führungskräfte und Beschäftigte nach konkreten Belastungen gefragt werden. Häufig entstehen dadurch Hinweise, die in Kennzahlen allein nicht sichtbar werden: unklare Abläufe, defekte Hilfsmittel, überfüllte Schichten oder dauerhaftes Einspringen.
Tag 31 bis 60: Sofortmaßnahmen mit sichtbarer Wirkung
Wenn Ursachen offensichtlich sind, sollte das Unternehmen nicht auf die perfekte Analyse warten. Ein defekter Hubtisch, chaotische Schichtwechsel oder fehlende Vertretung für eine Schlüsselposition lassen sich oft schneller verbessern als strukturelle Themen.
- kritische Schichtlücken stabilisieren,
- Vertretungsregeln für Schlüsselpositionen schaffen,
- Pausen und Erholungszeiten absichern,
- erkennbar belastende Arbeitsmittel oder Arbeitsplätze verbessern,
- Rückkehrgespräche und Krankmeldungsprozesse vereinheitlichen,
- akute Konflikte oder unklare Zuständigkeiten klären.
Tag 61 bis 90: Strukturen dauerhaft verändern
In der dritten Phase geht es darum, aus einzelnen Maßnahmen verlässliche Prozesse zu machen. Dazu gehören Personalreserve, Schichtsysteme, Führung, Ergonomie, BEM und die psychische Gefährdungsbeurteilung.
Für jede Maßnahme sollte festgelegt werden: Wer ist verantwortlich? Bis wann soll sie umgesetzt sein? Woran erkennen wir, ob sie wirkt?
- Schichtplanung: kurzfristige Änderungen und Mehrarbeit reduzieren.
- Führung: klare Kommunikation und realistische Prioritäten etablieren.
- Ergonomie: körperliche Belastungen technisch oder organisatorisch senken.
- BEM: Verfahren strukturiert und vertraulich aufsetzen.
- Personalreserve: Engpassbereiche weniger anfällig für einzelne Ausfälle machen.
Welche Kennzahlen nach 90 Tagen zählen
Eine sinkende Krankenquote kann positiv sein, ist aber nicht der einzige Maßstab. Sinnvoll ist ein breiteres Bild.
- weniger Überstunden wegen Ausfällen,
- stabilere Schichten und weniger kurzfristige Umbesetzungen,
- geringere Fluktuation und weniger Versetzungswünsche,
- weniger wiederkehrende Beschwerden an bestimmten Arbeitsplätzen,
- bessere Rückmeldungen aus Teams und Führung.
Fazit: Erst verstehen, dann stabilisieren, dann umbauen
Ein hoher Krankenstand entsteht selten durch eine einzelne Ursache. Ein 30-60-90-Tage-Plan zwingt Unternehmen dazu, Analyse, Sofortmaßnahmen und strukturelle Veränderungen sauber zu trennen.
Damit wird aus einem diffusen Problem ein steuerbares Verbesserungsprogramm.





