Krank sein bedeutet nicht automatisch arbeitsunfähig sein
Nicht jedes körperliche Unwohlsein bedeutet automatisch, dass jemand seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Ob man arbeitsfähig ist, hängt unter anderem davon ab, welche Beschwerden bestehen, welche Tätigkeit ausgeübt wird, wie körperlich belastend die Arbeit ist, ob andere Menschen gefährdet oder angesteckt werden könnten und wie stark die eigene Leistungsfähigkeit tatsächlich eingeschränkt ist.
- Bei hohem Fieber, deutlichen Infektionszeichen oder starken Beschwerden sollte die Gesundheit Vorrang haben.
- Bei leichter Müdigkeit, kleineren Beschwerden oder vorübergehendem Unwohlsein kann die Situation anders aussehen.
- Bei Unsicherheit sollte die gesundheitliche Situation fachlich abgeklärt werden.
Wichtig ist eine ehrliche Einschätzung der eigenen Situation. Eine einzelne oder berechtigte Krankmeldung ist kein Maßstab für Zuverlässigkeit und sollte nicht pauschal negativ bewertet werden.
Häufige Fehlzeiten belasten die Kollegen
Wenn ein Mitarbeiter kurzfristig ausfällt, verschwindet seine Arbeit in den meisten Unternehmen nicht einfach. Andere Kollegen müssen einspringen, Schichten werden umgeplant, Aufgaben verteilt oder zusätzliche Arbeit übernommen.
Ein einzelner Krankheitstag ist normalerweise kein Problem. Wenn innerhalb eines Teams jedoch regelmäßig dieselben Personen fehlen, kann daraus Frust entstehen. Denn die anwesenden Mitarbeiter stellen sich möglicherweise irgendwann die Frage: Warum soll ich ständig zusätzliche Arbeit mit übernehmen?
Ein gutes Betriebsklima lebt deshalb auch davon, dass sich Mitarbeiter grundsätzlich aufeinander verlassen können.
Besonders schwierig sind kurzfristige Krankmeldungen
Für Unternehmen sind sehr kurzfristige Ausfälle organisatorisch besonders anspruchsvoll.
In Produktion, Lager und Logistik kann das bedeuten, dass Arbeitsplätze nicht besetzt sind, Maschinen nicht vollständig ausgelastet werden können oder andere Mitarbeiter zusätzliche Aufgaben übernehmen müssen.
Deshalb ist es sinnvoll, eine absehbare Arbeitsunfähigkeit so früh wie möglich über den vorgesehenen Meldeweg mitzuteilen. Mehr dazu erklären wir im Ratgeber „Krankmeldung im Job: So informierst du richtig und rechtzeitig“.
Zuverlässigkeit beeinflusst, wie Mitarbeiter wahrgenommen werden
In vielen Unternehmen gehören Zuverlässigkeit und Anwesenheit zu wichtigen Eigenschaften eines Mitarbeiters – besonders in Lager und Logistik, Produktion, Kommissionierung, Versand, Schichtbetrieb, Maschinenbedienung sowie Transport und Verladung.
Hier arbeiten häufig mehrere Personen unmittelbar zusammen. Fehlt eine Person, kann das Auswirkungen auf den gesamten Arbeitsablauf haben.
Ein Mitarbeiter, der regelmäßig pünktlich erscheint und auf den sich das Team verlassen kann, baut mit der Zeit Vertrauen auf. Wer dagegen sehr häufig kurzfristig ausfällt, kann es schwerer haben, dieses Vertrauen aufzubauen oder zu erhalten. Dabei muss immer berücksichtigt werden, dass Fehlzeiten berechtigte gesundheitliche Gründe haben können.
Häufige Fehlzeiten können die Übernahmechancen beeinflussen
Gerade bei Zeitarbeit besteht für viele Mitarbeiter die Möglichkeit, später von einem Kundenunternehmen übernommen zu werden. Dabei zählt nicht ausschließlich, wie schnell oder fachlich gut jemand arbeitet.
- Pünktlichkeit
- Zuverlässigkeit
- Teamfähigkeit
- Arbeitsbereitschaft
- Lernbereitschaft
- Verhalten gegenüber Kollegen und Vorgesetzten
Ein Mitarbeiter kann fachlich sehr gut sein. Wenn ein Unternehmen jedoch dauerhaft mit sehr kurzfristigen Ausfällen planen muss, kann das bei der Entscheidung über eine zukünftige Zusammenarbeit eine Rolle spielen. Die Entscheidung ist immer individuell und darf berechtigte Erkrankungen nicht pauschal abwerten.
Auch bei der Einsatzplanung spielt Zuverlässigkeit eine Rolle
Personaldienstleister und Kundenunternehmen müssen Einsätze planen. Wenn mehrere Mitarbeiter für einen neuen Auftrag fachlich infrage kommen, wird überlegt, welcher Mitarbeiter am besten zu diesem Kunden, der Schicht und der Aufgabe passt.
Neben Qualifikation und Erfahrung kann auch die bisherige Verlässlichkeit in der Zusammenarbeit eine Rolle spielen. Ein Mitarbeiter, der bereits bewiesen hat, dass Absprachen funktionieren, kann leichter für sensible, langfristige oder schwer zu besetzende Einsätze berücksichtigt werden.
Krankheit vortäuschen ist etwas völlig anderes als wirklich krank zu sein
Niemand sollte Angst davor haben, sich bei einer tatsächlichen Erkrankung krankzumelden. Problematisch ist etwas anderes: eine Krankheit bewusst vorzutäuschen, obwohl Arbeitsfähigkeit besteht.
Eine Krankmeldung sollte nicht als spontaner zusätzlicher freier Tag betrachtet werden. Das kann das Vertrauensverhältnis zwischen Mitarbeiter und Arbeitgeber erheblich beschädigen.
Wiederkehrende Fehlzeiten rund um bestimmte Schichten, Wochenenden oder Feiertage können Fragen aufwerfen – sie beweisen aber für sich allein noch nichts. Auch solche Krankmeldungen können vollkommen berechtigt sein.
Der Ruf eines zuverlässigen Mitarbeiters ist wertvoll
Im Berufsleben entsteht mit der Zeit eine persönliche Reputation. Kollegen und Vorgesetzte merken, auf wen sie sich verlassen können.
Zuverlässige Mitarbeiter bekommen häufig schneller Verantwortung übertragen und werden eher für wichtige Aufgaben berücksichtigt. Das ist keine Garantie für Beförderung oder Übernahme, kann aber im Arbeitsalltag einen echten Unterschied machen.
Nicht jeder schlechte Tag ist automatisch ein Krankheitstag
Jeder kennt Tage, an denen man morgens müde ist, schlecht geschlafen hat, leichte Kopfschmerzen hat oder wenig Motivation verspürt.
Dann kann die ehrliche Frage helfen: Bin ich tatsächlich nicht arbeitsfähig – oder fühle ich mich heute nur nicht besonders fit?
Bei starken Beschwerden, ansteckenden Erkrankungen oder gesundheitlichen Risiken sollte die Gesundheit Vorrang haben. Umgekehrt kann ein leichter schlechter Start in den Tag manchmal vorübergehen. Die Entscheidung muss verantwortungsvoll und passend zur jeweiligen Tätigkeit getroffen werden.
Gesundheit und Zuverlässigkeit schließen sich nicht aus
Das Ziel sollte niemals sein, krank zur Arbeit zu gehen. Verantwortungsvolles Verhalten bedeutet vielmehr, beide Seiten ernst zu nehmen: Wer krank ist, kümmert sich um seine Gesundheit. Wer arbeitsfähig ist, übernimmt Verantwortung für seine Arbeit und sein Team.
Wie kurzfristige Ausfälle gerade in der Zeitarbeit gleichzeitig Kunde, Disposition und Personaldienstleister treffen können, erklären wir außerdem im Beitrag „Kurzfristige Krankmeldung: Warum ein Ausfall in der Zeitarbeit sofort mehrere Stellen trifft“.
Was Arbeitnehmer selbst tun können
Viele Fehlzeiten lassen sich nicht verhindern. Trotzdem können Arbeitnehmer einiges dafür tun, langfristig gesund und leistungsfähig zu bleiben.
- ausreichend Schlaf und regelmäßige Erholung
- genügend Flüssigkeit
- ausgewogene Ernährung
- vernünftiger Umgang mit körperlicher Belastung
- Regeneration bei Schichtarbeit ernst nehmen
- wiederkehrende Beschwerden nicht dauerhaft ignorieren
Wer beispielsweise ständig Rückenprobleme, Schlafprobleme oder andere gesundheitliche Beschwerden hat, sollte versuchen, die Ursache zu klären. Langfristig ist das sinnvoller, als immer wieder einzelne Krankheitstage zu überbrücken, ohne das eigentliche Problem anzugehen.
Fazit: Zuverlässigkeit zahlt sich langfristig aus
Niemand kann verhindern, gelegentlich krank zu werden. Eine ernsthafte Erkrankung sollte immer ernst genommen werden.
Gleichzeitig lohnt sich vor einer Krankmeldung – soweit die Situation das zulässt – eine ehrliche Einschätzung: Bin ich wirklich nicht arbeitsfähig oder habe ich heute einfach einen schlechten Tag?
Häufige Fehlzeiten können Auswirkungen auf Kollegen, Einsatzplanung, Kunden und die eigene berufliche Entwicklung haben. Wer dagegen zuverlässig arbeitet, pünktlich erscheint und verantwortungsvoll mit Krankmeldungen umgeht, baut Vertrauen auf. Dieses Vertrauen kann langfristig bei guten Einsätzen, mehr Verantwortung und möglicherweise auch bei einer Übernahme in eine Festanstellung helfen.





