Die Arbeit verschwindet nicht, nur weil jemand fehlt
In vielen Betrieben sind Schichten und Arbeitsplätze genau geplant. Eine bestimmte Anzahl an Mitarbeitern wird benötigt, damit Aufträge bearbeitet, Waren verladen, Maschinen bedient oder Bestellungen kommissioniert werden können.
Fällt kurzfristig jemand aus, muss die Arbeit neu verteilt werden. Das kann bedeuten:
- Kollegen übernehmen zusätzliche Aufgaben,
- Pausen oder Arbeitsabläufe müssen angepasst werden,
- ein anderer Mitarbeiter wird kurzfristig aus einer anderen Abteilung abgezogen,
- ein Ersatz muss organisiert werden,
- oder das gesamte Team arbeitet unter höherem Zeitdruck.
Ein einzelner Ausfall ist normalerweise kein Drama. Wenn solche Situationen jedoch ständig auftreten, summiert sich die Belastung.
Besonders schwierig sind Krankmeldungen kurz vor Schichtbeginn
Für die Einsatzplanung macht es einen großen Unterschied, ob ein Ausfall frühzeitig bekannt ist oder erst wenige Minuten vor Arbeitsbeginn.
Beginnt eine Frühschicht beispielsweise um 6:00 Uhr und die Krankmeldung kommt um 5:40 Uhr, bleibt kaum Zeit, Ersatz zu organisieren. Der Betrieb muss sofort reagieren.
Mehr dazu erklären wir im Beitrag „Kurzfristige Krankmeldung: Warum ein Ausfall in der Zeitarbeit teuer werden kann“.
Wer absehen kann, dass er nicht zur Arbeit kommen kann, sollte deshalb die vereinbarten Meldewege so früh wie möglich nutzen.
Die zuverlässigen Kollegen fangen Ausfälle oft auf
In fast jedem Team gibt es Mitarbeiter, die besonders zuverlässig sind. Sie erscheinen regelmäßig, übernehmen Verantwortung und springen ein, wenn etwas ungeplant passiert.
Genau diese Mitarbeiter tragen bei häufigen Ausfällen oft die größte Last.
Sie arbeiten möglicherweise an einem anderen Arbeitsplatz als geplant, übernehmen zusätzliche Aufgaben oder helfen dabei, den Rückstand aufzufangen. Wenn das immer wieder passiert, kann daraus Frust entstehen.
Ein gutes Team funktioniert nur, wenn die Belastung nicht dauerhaft auf wenigen Personen liegen bleibt.
Häufige Fehlzeiten können das Teamklima verändern
Arbeitskollegen beobachten sehr genau, wie verlässlich ein Team funktioniert. Wenn immer dieselben Personen kurzfristig fehlen, kann sich die Stimmung verändern.
Dabei geht es nicht darum, über tatsächliche Krankheiten zu urteilen. Kollegen kennen meistens weder Diagnose noch persönliche Hintergründe.
Trotzdem wird die organisatorische Belastung wahrgenommen. Wenn andere regelmäßig Mehrarbeit übernehmen müssen, kann Vertrauen verloren gehen.
Aus einem zunächst rein organisatorischen Problem kann dadurch ein zwischenmenschliches Problem werden.
Zuverlässigkeit bedeutet auch Rücksicht auf das Team
Zuverlässigkeit wird häufig nur als Eigenschaft gegenüber dem Arbeitgeber verstanden. Tatsächlich betrifft sie aber genauso die Kollegen.
Wer pünktlich zur Schicht erscheint, seine Aufgaben übernimmt und Absprachen einhält, macht den Arbeitstag für das gesamte Team planbarer.
Das gilt besonders dort, wo Mitarbeiter voneinander abhängig sind. Ein Kommissionierer, Verpacker, Staplerfahrer oder Produktionshelfer arbeitet selten vollständig isoliert. Wenn eine Position nicht besetzt ist, kann sich das auf mehrere andere Arbeitsplätze auswirken.
Ein schlechter Morgen ist nicht automatisch Arbeitsunfähigkeit
Natürlich sollte niemand mit einer ernsthaften Erkrankung arbeiten gehen. Aber nicht jeder Morgen, an dem man müde, unmotiviert oder nicht vollständig fit ist, bedeutet automatisch, dass man arbeitsunfähig ist.
Wichtig ist eine ehrliche Einschätzung: Kann ich meine konkrete Tätigkeit sicher ausführen oder nicht?
Genau darum geht es in unserem Ratgeber „Krankmelden oder arbeiten gehen? Wann bin ich wirklich arbeitsunfähig?“.
Warum Unternehmen auf Zuverlässigkeit achten
Für Unternehmen ist Zuverlässigkeit keine Nebensache. Sie ist ein Bestandteil der täglichen Planung.
Ein Kunde, der zehn Mitarbeiter für eine Schicht bestellt, rechnet damit, dass diese zehn Arbeitskräfte zur vereinbarten Zeit einsatzbereit sind. Wenn regelmäßig mehrere Personen fehlen, entstehen Verzögerungen und zusätzlicher Organisationsaufwand.
Deshalb merken sich Vorgesetzte und Einsatzplaner, auf welche Mitarbeiter sie sich verlassen können. Das kann langfristig Einfluss darauf haben, wem bestimmte Aufgaben, längerfristige Einsätze oder zusätzliche Verantwortung zugetraut werden.
Gerade in der Zeitarbeit wirkt sich ein Ausfall auf mehrere Seiten aus
Bei Zeitarbeit sind meist drei Seiten betroffen: der Mitarbeiter, der Personaldienstleister und das Kundenunternehmen.
Fällt ein Mitarbeiter aus, muss der Personaldienstleister versuchen, den Kunden zu informieren oder Ersatz zu organisieren. Gleichzeitig fehlt dem Kunden eine eingeplante Arbeitskraft. Im Betrieb selbst müssen wiederum die Kollegen mit der veränderten Besetzung umgehen.
Damit hat eine einzige kurzfristige Krankmeldung organisatorisch oft größere Auswirkungen, als der einzelne Mitarbeiter unmittelbar sieht.
Wer wirklich krank ist, soll sich auskurieren
Die Lösung kann selbstverständlich nicht sein, krank zur Arbeit zu kommen.
Wer Fieber hat, starke Beschwerden, eine ansteckende Erkrankung oder seine Tätigkeit nicht sicher ausführen kann, sollte seine Gesundheit ernst nehmen. Krankes Arbeiten kann die Genesung verzögern, Kollegen anstecken oder bei sicherheitsrelevanten Tätigkeiten sogar gefährlich werden.
Das Ziel ist deshalb nicht Anwesenheit um jeden Preis, sondern ein verantwortungsvoller Umgang mit Fehlzeiten.
Was Arbeitnehmer selbst beeinflussen können
Nicht jede Erkrankung lässt sich verhindern. Trotzdem gibt es Dinge, die jeder Mitarbeiter selbst beeinflussen kann:
- rechtzeitig schlafen und auf ausreichende Erholung achten,
- wiederkehrende Beschwerden ärztlich abklären lassen,
- den Arbeitgeber bei einem absehbaren Ausfall früh informieren,
- vereinbarte Meldewege einhalten,
- und ehrlich unterscheiden, ob tatsächlich Arbeitsunfähigkeit besteht oder lediglich ein schlechter Tag vorliegt.
Diese Haltung schützt nicht nur den Arbeitgeber. Sie schützt auch die Kollegen davor, dauerhaft die Folgen vermeidbarer Ausfälle tragen zu müssen.
Häufige Krankmeldungen können auch für den Mitarbeiter selbst Nachteile haben
Wer sehr häufig fehlt, sollte außerdem bedenken, dass Fehlzeiten nicht nur andere betreffen. Sie können auch beeinflussen, wie zuverlässig ein Mitarbeiter im Arbeitsalltag wahrgenommen wird.
Welche Folgen das insbesondere für Einsatzplanung, Vertrauen und mögliche Übernahmechancen haben kann, erklären wir ausführlich im Beitrag „Häufige Krankmeldungen im Job: Welche Folgen können sie für Arbeitnehmer haben?“.
Fazit: Krankheit ist menschlich – Rücksicht auf Kollegen aber auch
Krankheit lässt sich nicht vollständig verhindern. Jeder Mitarbeiter kann ausfallen, und wer tatsächlich arbeitsunfähig ist, sollte sich erholen.
Trotzdem lohnt es sich, die Auswirkungen einer Krankmeldung nicht nur aus der eigenen Perspektive zu betrachten.
Wenn jemand fehlt, übernehmen häufig andere Menschen seine Aufgaben. Je häufiger und kurzfristiger solche Ausfälle auftreten, desto größer wird die Belastung für Kollegen, Einsatzplanung und Betrieb.
Zuverlässigkeit bedeutet deshalb auch Rücksicht auf das eigene Team. Wer verantwortungsvoll mit Krankmeldungen umgeht, trägt dazu bei, dass Kollegen sich aufeinander verlassen können und Arbeit fair verteilt bleibt.









